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Die ehemalige Eiskunstläuferin Katarina Witt äußert sich kritisch zu der ausstehenden „Bazooka“

Liebe Facebook-Freunde,
vor ein paar Tagen erlebte ich strahlenden Sonnenschein, der mein Gemüt aufhellen ließ und heute schweben wieder dicke, fette Schneeflocken unkontrolliert durch die Luft. Die Stadt ist ein weißes Winterwonderland. Der Himmel grau und beim Blick in den Spiegel weiß ich, ich brauch kein Wunder, sondern einfach nur den Friseur!

Mehr und mehr umgibt mich ein Mantel der Melancholie und alles legt sich immer schwerer aufs Gemüt … Gestern war wieder so ein Nebel-Tag, an dem man nicht mal seinen Hund vor die Tür schicken mochte, mir jedoch so langsam, aber sicher, die Decke auf den Kopf fiel. Deshalb ging es trotzdem raus und ich drehte eine ganz besonders große Lauf-Runde, damit ich nicht zu schnell wieder heimkam, um dann erneut, zum gefühlten 5. Mal, die Kissen mit der Handkante mittig perfekt in Ordnung zu bringen!
Ihr kennt mich fröhlich, optimistisch und unermüdlich voller Tatendrang. Ich möchte immer jeden gern mit Lachen motivieren. Doch meine wochenlange Contenance wechselt sich langsam mit Ratlosigkeit, Empörung und teilweise Wut ab. Die folgenden Zeilen schleppe ich seit Wochen ungeordnet in meinem Kopf mit mir herum und heute versuche ich, sie schriftlich zu sortieren.
Wenn ich, die wirklich das Glück hat, hier und da einen fröhlichen TV-Auftritt absolvieren zu dürfen, langsam immer mehr den Kopf hängen lasse, mache ich mir ernsthaft Gedanken und Sorgen.
Wie geht es erst all den Menschen, die wirklich um ihr Lebenswerk bangen und um die Existenz ihrer Lebensgrundlage kämpfen?
Ich bin weder „Corona-Verleugnerin“, noch „Lockdown-Gegnerin“!
Es bricht mir das Herz und ich weine mit, wenn ich all die Menschen mit ihren verschiedensten Nöten und Sorgen im Fernsehen sehe oder täglich in den News darüber lese. Ich komme einfach nicht umhin, mit manch politischen Entscheidungen zu hadern.

Wir erleben eine schreckliche Pandemie! Wir befinden uns in einer, in unserer Lebenszeit noch nie da gewesenen Ausnahmesituation, leiden mit erkrankten Menschen und trauern um viel zu viel Corona-Tote. Wahrscheinlich läuft bei uns in Deutschland zahlreiches besser als anderswo und trotzdem müssen wir feststellen, dass wir gerade all das ausbaden, was die Politik in der Vergangenheit versäumt, verschlafen und eingespart hat! Ermüdend werden langsam die ständig wiederkehrenden Parolen der Politik und das nicht endende Mantra: „Wir sitzen alle in einem Boot und wir müssen gemeinsam durchhalten!“
Ja, das macht die Bevölkerung gerade ganz diszipliniert!

Ich bleibe mal bei dem derzeit von der Politik selbst angewandten beliebten Boots-Vergleich: Als Kapitän, inmitten eines Sturms mit meterhohen Wellen, kann ich doch nicht im Leuchtturm sitzen, mit Fernglas den Horizont nach Gefahrenquellen absuchen und Durchhalteparolen über Funk durchgeben, wenn der Mannschaft das Wasser bis zum Hals steht, die ersten schon untergegangen sind und dann mit trockenen Füßen sagen, wir sitzen alle im gleichen Boot.
Nein, die Bürger rudern verzweifelt und unterschiedliche Kapitäne geben ständig von oben verschiedene Kursänderungen durch.Vertrauen ist das Schlagwort der Politik – und immer wiederkehrende vollmundige Versprechen.
Es gibt Unternehmen, die kommen wegen ihres Umsatzes vor Lachen nicht ins Bett und andere finden vor Sorge keinen Schlaf.
Kleine mittelständische Unternehmen, Einzelhandel, Solo-Selbstständige, Künstler, so viele Branchen sind seit März 2020 in extreme Schieflage geraten und die finanziellen, staatlichen Hilfen kommen entweder gar nicht oder nur tröpfchenweise an. Die versprochene Bazooka schießt Milliarden in Unternehmen mit der dementsprechenden Lobby in Berlin und bei der Großzahl der kleinen Familien-Unternehmen ist aus der Bazooka eine Wasserspritzpistole geworden, mit dem berühmten Wassertropfen auf dem heißen Stein! Zisch, nur heißer Dampf bleibt übrig.
So wie die ungehaltenen Versprechen. Wann lassen sie ihren viel zitierten Worten endlich Taten folgen?!
Ich vertraue nur denjenigen, die persönlich erfahren, was sie ihrem Gegenüber zumuten. Meine frühere Trainerin Frau Müller hat mit mir gemeinsam manches Wochenende „gehungert“, wenn sie meinte, ich bin mal wieder zu dick fürs Eis. Aus Solidarität hat sie mit mir gemeinsam fast nichts gegessen, obwohl sie schon so schmal wie ein Handtuch war. Aber das war ehrliches Teamwork! Da habe ich noch mehr Respekt vor ihr bekommen.
Zum Beispiel könnte ich eigentlich fit wie ein Turnschuh sein, doch ich selbst traue mich fast nicht in meinem eigenem, beängstigt leerem Sportstudio, zu trainieren, obwohl es genau diese Übungen sind, die ich brauche, um langfristig gesund zu bleiben. Übrigens in meinem Alter kein Freizeitvergnügen mehr, sondern eisernes, diszipliniertes Gesundheitstraining, damit ich der Krankenkasse später nicht zu sehr auf der Tasche liege! Ich darf meinen Mitgliedern das Training nicht anbieten, also gehe ich wie sie, im Schneegestöber laufen! Das ist in meinen Augen Solidarität.

Am liebsten würde ich Politiker und Entscheidungsträger auffordern, begeben Sie sich endlich selbst mal in die Lage, in der sie erwarten, dass so viele Menschen hier im Land überleben sollen – seit fast einem Jahr!!!
Wie wäre es daher mit folgender Solidarität?
Politiker und Entscheidungsträger verzichten komplett auf ihr Einkommen und Diäten. Außerdem könnten sie für Miete plus Nebenkosten, für Ministerniederlassungen, Büros, Mitarbeiter, Auto, Fahrer, Versicherungen, Kleinigkeiten wie Speichercloud oder Google-Workspace selbst aufkommen – nur ein grober Auszug an regelmäßig, monatlich wiederkehrenden Kosten. Dann könnten sie ehrlicherweise laut sagen: „Wir sitzen alle im selben Boot und wir schaffen das.“
All diese Kosten tragen Unternehmen, Einzelhändler, Selbstständige etc. selbst, obwohl viele seit Monaten keinerlei Einnahmen mehr haben. Diese Menschen sind zu Recht verzweifelt.
Ich bin mir sicher, wenn Politiker diese ökonomische Selbsterfahrung machen würden und die damit einhergehender Verzweiflung, beim ängstlichen Blick auf das schrumpfende Bankkonto, würden Entscheidungen flotter und unbürokratischer getroffen werden.
Ich möchte die Politik auffordern: „Nehmen Sie den Menschen endlich die Kopfschmerzen und die finanziellen Existenz-Ängste weg und setzen Ihre vor Monaten schon getroffenen Versprechen ohne Umschweife um.“
Schließlich haben wir alle jahrzehntelang reichlich in das Steuersystem eingezahlt! Dann erst können wir noch weiter gemeinsam durchhalten!
Manch Politiker leistet sich sogar ein Socialmedia-Team, das entweder ausführlich Antworten gibt oder den Shitstorm eindämmt, wenn derjenige seinen Followern mitteilt, dass nach all der wöchentlichen beruflichen Anstrengung ein privater Wochenendspaziergang, bei dem einem der Wind um die Nase weht, einfach gut tut.
Ich befürchte auch das zahlt der Steuerzahler.
Tja, diesen Shitstorm kann ich verstehen! Manch einem zum Nichtstun Verdammten friert vor lauter Zeit zum spazieren gehen nicht nur die Nase ab! Wo ist da das Fingerspitzengefühl?

Vielleicht benehme ich mich ebenfalls wie der klassische Elefant im Porzellan-Laden, weil ich hier ziemlich hemmungslos mit meinen Gedanken auftrete.
Die Inzidenzzahlen sinken nun langsam und die Diskussionen sind schon im Gange, wer, wann, wo aufmachen darf?
Hier haben wir, glaube ich, ebenfalls das Recht, diese Forderungen an die Politik zu stellen: Hören Sie zum Beispiel bitte auf, Branchen gegeneinander auszuspielen und zu priorisieren! Haben Sie einen Plan, schaffen Sie klare und einheitliche Regeln für alle!
10 qm, 20 qm oder 50 qm pro Person. Abstand halten, Maske tragen, Termine vereinbaren. Wir müssen Kontakte vermeiden. O.K., dann lassen Sie die Menschen zum Friseur laufen, mit dem Fahrrad ins Sportstudio kommen oder mit dem Auto einkaufen fahren. Eben nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, wo es anscheinend die öffentliche Hand verpasst hat, für genügend Sicherheit und die richtigen Hygienemaßnahmen zu sorgen. Die meisten Geschäfte sind mittlerweile eh um die Ecke. Lassen Sie den Kiez, die unmittelbare Wohnumgebung nicht komplett wegsterben! Das geht nämlich schon los!
Ein Großteil des Einzelhandels oder der Dienstleistung haben sofort, noch im Frühling, Hygienekonzepte erstellt, finanziert, streng umgesetzt und sich verantwortungsvoll an alle Auflagen gehalten!
Die Branchen dürfen nicht gegeneinander aufgebracht werden! Friseure gegen Nagelstudios, therapeutisches Training gegen Sportstudios, Bundesliga gegen lokalen Sportverein, Schuhläden gegen Modeboutiquen, Galerien gegen Museen, Gastronomie gegen systemrelevante Futtertempel.
Einzelhandel gegen Freizeitvergnügen.
Was können die einen besser, was die andern nicht schaffen? Berlin gegen Brandenburg! Es ist so absurd! Und es macht mich wütend!
Not macht erfinderisch! Der kleine Laden um die Ecke hat plötzlich eine große Blumenauswahl, wo vorher 3 Stängel standen und der Blumenladen die Straße weiter, hat entweder schon geschlossen oder bietet vor lauter Verzweiflung noch Eier und Apfelsinen an.Alle Sportstudios mussten schließen, einige wiederum vermieten ihren Fitness-Raum jetzt „privat“ an Einzelpersonen.

Ich gönne jedem seine unternehmerische Chuzpe, denn es geht für viele um das nackte Überleben. Ich befürchte nur, dass wir den Rest an Solidarität, Verständnis, Bereitschaft, Unterstützung und gegenseitige Rücksichtnahme verlieren werden!
Noch größere soziale Gräben und die einhergehenden ökonomischen Verzweiflung lässt Menschen untereinander ungerechter werden!
Wir alle können 1 und 1 zusammen zählen und die meisten wissen, es wird lange keine Normalität mehr geben, wie wir sie selbstverständlich bisher ein Leben lang lebten. Wir nehmen den verdammten Virus mit den einhergehenden Mutationen sehr ernst und wir müssen eine neue Form von Realität akzeptieren, für eine bestimmte Zeit lernen, mit eingeschränkten Bedingungen umzugehen.
Daher liegt niemand von uns auf der faulen Haut. Kein Unternehmer/in sitzt entspannt zu Hause oder räumt vor langer Weile den Keller auf. Kein Gehirn macht 24h am Tag eine Denkpause! Jede oder jeder versucht mit kreativer Herangehensweise, Anpassung, Flexibilität, Ideenreichtum, und weiterhin Optimismus und Mut, seinen unternehmerischen Traum, der unter normalen Umständen nämlich funktionierte, fortzusetzen.
Sehe ich da vielleicht das Licht am Ende des Tunnels?
Leider nein, momentan nur meine Nachttischlampe.

Mit dennoch hoffnungsvollen Grüßen,
Eure Katarina


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