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Schreibtischprotest: Petitionen als Geschäftsmodell von privaten Plattformen florieren

Wer investiert in Change.org? Denn besser am Ruder als in der Schusslinie. Tech- und Investmentgrößen wie Microsoft-Gründer Bill Gates, LinkedIn-Mitgründer Reid Hoffman, eBay-Gründer Pierre Omidyar, Yahoo-Mitgründer Jerry Yang, Twitter-Mitgründer Evan Williams und Hollywoodstar Ashton Kutcher investieren in die Petitionsseite Change.org.

Die Pressuregroup (Interessengruppe), die u.a. hinter Change.org steht, hat mit Graswurzelbewegung nichts mehr zu tun. Wir sollten ihre Petitionen fürchten. „Das größte Megaphon aller Zeiten“ so bezeichnet sich Change.org selbst, will wachsen.

Wir stellen uns die Frage, wieso kommt ihr nicht mit auf die Straße wo wir wirklich etwas bewirken können? Denn Aufstehen lohnt sich: das Gesetz der 3,5 Prozent, zeigt wie wenige Aktivisten Regierungen in die Knie zwingen können.

Es ist Zeit dafür und wieso erklären wir dir nachfolgend:

Wir vom Corona Blog haben seit Pandemiebeginn viele Petition begleitet, sei es bei privaten Unternehmen wie Change.org, Campact!, OpenPetition oder auch offiziell beim Bundestag eingereichte Petitionen.
Derzeit wird eine Petition von Change.org durch die Social Media Kanäle getrieben und auch bei Signal bekommt der eine oder andere diesen Link zugespielt. Titel: „Keine Corona-Impfpflicht für Kinder“. Interessant ist dabei folgender Aspekt, auf welchen wir nachfolgend noch näher eingehen werden: in Change.org ist u.a. Bill Gates investiert, welcher in den 20:00 Uhr Nachrichten bei der Tagesschau Sprechzeit für seine Impfkampagne erhielt.

Aber nur selten bis gar nicht führt das Engagement zum Erfolg

Die privaten Plattformen leben von großen Zahlen, viele Unterzeichner und eine breite Berichterstattung in den Medien bedeuten auch viele Spenden – und davon leben diese Plattformen.
Direkte Auswirkungen auf das politische Geschehen hat bisher keine dieser Petition gehabt. Vielleicht blicken wir nun hinter die Kulissen von einer der erfolgreichsten privaten Petitionsplattform Betreiber, nämlich „Change.org“.
2017 wurde eine neue Investitionsrunde von mehr als 30 Millionen Dollar angekündigt, angeführt von Reid Hoffman, dem Mitbegründer von LinkedIn. Aber auch von keinem geringeren wie Bill Gates.

Wir hatten das Glück, eine bemerkenswerte Gruppe von Investoren zu haben, die das Unternehmen während unseres gesamten Weges unterstützt haben. Ohne sie wären wir niemals in der Lage gewesen, so viele Leben zu beeinflussen oder in der Position zu sein, in der wir uns heute befinden, um Hunderte von Millionen weitere zu beeinflussen. Wir haben auch das Glück, dass viele dieser Investoren an dieser Finanzierungsrunde beteiligt sein werden – darunter Bill Gates und Sam Altman.

26.05.2017 Change.org

Aber bereits am 10.12.2014 erschien ein Artikel im Manager Magazin. In dem Artikel wird u.a. Nicolas Berggruen als Investor, neben Bill Gates erwähnt. In Deutschland wurde er mit dem Kauf der insolventen Warenhauskette Karstadt im Juni 2010 bekannt und steht seit 2013 insbesondere wegen seines Gebarens bei Karstadt in der Kritik.

Zusammen mit Tech- und Investmentgrößen wie Microsoft-Gründer Bill Gates, Virgin-Gründer Richard Branson, LinkedIn-Mitgründer Reid Hoffman, eBay-Gründer Pierre Omidyar, Yahoo-Mitgründer Jerry Yang, Twitter-Mitgründer Evan Williams und Hollywoodstar Ashton Kutcher investiert Berggruen in die Petitionsseite Change.org.

10.12.2014 Manager Magazin

Die FAZ schrieb 2014:

Mit Change.org kann man richtig was losmachen: Massen mobilisieren und für oder gegen ausgewählte Ziele in Stellung bringen. Was ließe sich alles anstellen mit lancierten Kampagnen oder verhindern, indem man unliebsame Petitionen stoppt! Das haben wohl auch die Mächtigen des Silicon Valley erkannt und entschieden: Da müssen wir mit an Bord. Besser am Ruder als in der Schusslinie. Und so haben Bill Gates, Arianna Huffington, die Gründer von Yahoo, Twitter, Ebay und LinkedIn, Jerry Yang, Evan Williams, Pierre Omidyar und Reid Hoffman, mit weiteren netzkapitalen Schwergewichten 25 Millionen Dollar in die Hand genommen und sind bei Change.org eingestiegen. Damit das Unternehmen weiter wachse, in ihrem Sinne.

F.A.Z 11.12.2014

Die Plattform ist mitnichten nichtkommerziell. Sie macht Gewinne damit, dass sie auch gesponserte Petitionen schaltet und von Organisationen Geld für Nutzerdaten nimmt. Außerdem wird Change.org dafür kritisiert, dass es, nach seinen Nutzungsbedingungen, Daten an Partnerorganisationen und sogar unbeteiligte Dritte verkaufen darf. Da ist es nicht gerade vertrauenserweckend, dass große Internetunternehmer mit im Boot sind. Der Change.org-Chef Rattray sieht das anders. Er sagt, seine neuen Investoren öffneten ihm Türen zu den richtigen Ratgebern. Zu Leuten, die etwas von der Macht des Internets verstünden: „Petitionen sind für Change.org, was Bücher für Amazon waren.“
Change.org ist eine weltweit agierende Plattform für Online-Aktivismus mit Hauptsitz in San Francisco. Mit mehr als 265 Millionen Nutzern war sie 2018 nach eigenen Angaben die „weltweit größte Kampagnenplattform“.

Wie lösche ich meine Unterschrift zu einer Petition?

Erinnert ihr euch an folgende Petitionen? Was haben diese bewirkt?

Dr. Ansgar Klein hatte im März 2020 die Petition bei OpenPetition mit dem Titel „Sofortige Aufhebung aller in der ‚Corona-Krise‘ verfügten Einschränkungen bürgerlicher Freiheiten!“ gestartet. Ergebnis 87.726 Unterstützende. Es gab von der Übergabe der 87.716 Stimmen an das Bundeskanzleramt sogar ein Video – toller Mann dieser Dr. Ansgar Klein aus Würselen, aber gebracht hat es nichts.

RAIn Viviane Fischer aus Berlin, hatte sich kurz darauf im März mit einer Petition ebenfalls bei OpenPetition angeschlossen. Titel war hier: „Forderung einer Baseline-Studie“, Ergebnis 84.953 Unterstützende. Gebracht hat es nichts, weshalb sie mit drei weiteren Rechtsanwälten den Corona Ausschuss gründete.

Jonathan Frank aus Krefeld, richtete seine Petition im April 2020 bei OpenPetition an den Deutschen Bundestag Titel: „Abschaffung der Maskenpflicht in Deutschland“. Ergebnis 52.463 Unterstützende. Geändert hat sich auch hier nichts.

Es gab auch eine offizielle Bundestag-Petition von Herrn Tolzin (Medizinjournalist). Titel der Petition war: „Einberufung einer Expertenkommission im Deutschen Bundestag“. Knapp 54.000 Unterstützer hatte seine Ende Juli 2020 beim Deutschen Bundestag eingereichte Petition erreicht – und damit das Quorum erfüllt. Der Petitionsausschuss übte sich trotz der Dringlichkeit in großer Gelassenheit, der Termin für die öffentliche Anhörung stand dann für den 07. Dezember 2020 fest. Diese wurde völlig routinemäßig vom Petitionsausschuss abgehakt.

Anderes Thema aber ähnliche Vorgehensweise: Aktion Pflegepetition vom Stern ebenfalls eine offizielle Bundestag-Petition mit dem Titel: „Petition für eine Pflege in Würde“. Die Online-Mitzeichnungfrist ist am 11. Februar 2021 ausgelaufen. Insgesamt unterzeichneten 328.221 Menschen die Pflege-Petition. Geändert hat sich an den Bedingungen bislang nichts.

Wir sehen uns am 01. August in Berlin mit Michael Ballweg. Denn nur so können wir wirklich etwas verändern.


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