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Brief einer Krankenschwester an Sigmar Gabriel, nach seiner Forderung zur Impfpflicht

Sehr geehrter Herr Gabriel,

es ist schon erstaunlich wie viele Politiker oder auch ehemalige Politiker sich auf einmal zu Wort melden und sich aus der Deckung wagen, jetzt wo das Kind halbwegs durch die Pandemie von nationaler Tragweite, durch uns Pflegepersonen geschaukelt wurde.
Sie wagen sich aus der Deckung wenn es um die angestoßene ethisch und moralisch absolut verwerfliche Debatte von Herrn Söder, zur Impfpflicht bei Pflegepersonen geht.

Damit Sie kurz mein Wirken als Person einschätzen können, ich arbeite bereits über 15 Jahre in der Pflege, sei es in Senioreneinrichtungen, Anästhesie und der Heilerziehungspflege. Ich kann von mir behaupten, dass ich von Pflege, Pflegewissenschaft – dank meinem Studium – und weiteren pflegefachlichen Kompetenzen Erfahrung habe. Umso mehr echauffiert es mich, wenn ich Ihren Twitter Post vom 14. Januar lese: „Wieviele Tote muss es in Pflegeheimen noch geben, bis sich Markus Soeder (CSU)mit der #Impfpflicht für medizinisches & pflegerisches Personal durchsetzt? Wenn sich Ärzte und Pflegepersonal nicht impfen lassen, wie soll dann der Rest der Bevölkerung überzeugt werden? COVID19
Wenn meine Angehörigen ins Krankenhaus oder ins Pflegeheim müssten, würde ich wissen wollen, ob sie dort sicher sind. CoronaDeutschland“
Verstehen Sie mich nicht falsch, nach über 25 Impfungen mit dem gängigen Totimpstoff kann ich von mir wirklich nicht behaupten, dass ich irgendwelchen Impfungen sonderlich kritisch entgegen stehe. Selbst die Masernimpfpflicht (welche ja noch gerichtlich geklärt wird) habe ich mit getragen. Da ich sowohl gegen Hepatitis A&B sowie Masern, als auch bereits mehrfach gegen Influenza geimpft bin, kann ich von mir behaupten, dass ich absolut kein Impfgegner/kritiker/skeptiker bin, sondern lediglich eine Risiko-Nutzen-Analyse für mich mache.

Worauf ich aber als mündiger Bürger absolut allergisch reagiere sind Menschen wie Sie, die meinen mich als Bürger bevormunden zu wollen, wo Sie doch auf Ihrer Website bzw. in Ihrem Buch für die Freiheit Ihrer drei Töchter einstehen: „Ich will, dass Sie frei und selbstbestimmt ihren Platz in dieser Welt finden. Das war die Hauptmotivation in dieses Buch.“
Kann ich davon ausgehen, dass Ihre Töchter, da Sie ja so für die Alten und gebrechlichen Menschen – wie St. Martin zumindest bei Twitter verbal einstehen – dass Sie diese davon überzeugt haben nach Ihrem schulischen Werdegang mit einer Ausbildung in einen Pflege- oder Erzieherberuf zu starten? Denn das wäre ja wohl das Mindeste als Politiker, der so große Worte in der Öffentlichkeit von sich gibt, aber sich in seiner politischen Laufbahn kein einziges Mal für die Pflege stark gemacht hat. Und steht dieses Recht für Freiheit dann nur Politikern und dessen Angehörigen zu?
Diese Aussage in Ihrem Buch und der Twitter Post lassen schon tief blicken.
Wissen Sie Worte sind tatsächlich geduldig und manchmal trifft das Sprichwort, „reden ist silber, schweigen ist gold“ den Nagel einfach auf den Kopf.

Aber nachdem sie von der Studie von BioNTech und Pfizer noch nichts gehört haben und hier auf Twitter Verschwörungstheorien verbreiten, gehe ich von einem nein aus und möchte Sie gerne darüber aufklären. Denn Aufklärung ist doch in der heutigen Zeit wirklich sehr sehr wichtig, vor allem wegen dem Vertrauen.
Um nun auf die Wirksamkeit des Impfstoffs einzugehen, welche Sie ja fast voraussetzen müssen bei solch einem Post. Die Wirksamkeit welche vom RKI bei der Impfaufklärung angegeben wird, ist die relative Wirksamkeit, welche ein Marketingtrick der Pharmakonzerne ist, das sollten Sie doch als Politiker wissen. Falls es an Ihnen vorbei gegangen ist, wie auch an einigen Kollegen, die mRNA-Impfung entspringt nicht nur einer völlig neuen Impftechnologie – die Technologie ist im Wesen generell neu und steckt meines Wissens nach, nach wie vor in den Kinderschuhen – diese kann die geimpfte Person oder um es mit den verniedlichenden Worten der Medien auszudrücken, gepikste Person nicht immunisieren. Aus den Studienunterlagen kann nicht entnommen werden ob man das Virus nicht an andere Personen nach dem pikser weiter gibt. Lediglich ein milderer Verlauf wird hier angeführt, sollte man erkranken.
Es wird sogar vom Bundesgesundheitsministerium auf Instagram ein Post veröffentlicht in dem in einem Kurzvideo darauf hingewiesen wird: „Die ständige Impfkommission (STIKO) kann anhand der aktuellen Datenlage, keine endgültige Aussage darüber treffen, ob und wann Patientinnen und Patienten nach überstandener SARS-CoV2-Infektion ein Impfangebot gemacht werden soll“.
Und jetzt kommen Sie Herr Gabriel?

Irgendwie ist das für mich naheliegend, dass viele meiner Kollegen, die ja dank den Entscheidungen Ihrer Politiker Kollegen infiziert gearbeitet haben (weil Sie dies mussten) und die Personaluntergrenzen für besonders sensible Bereiche (für alle Bereiche haben es unserer Politiker ja bislang noch nicht geschafft die Entscheidung zu treffen) aufgehoben haben, sicherlich bereits eine solche Infektion hatten.Bei Menschen mit Neigung zu allergischen Reaktionen wird allgemein abgeraten sich impfen zu lassen.
Vielleicht trägt hierzu auch der Schweinegrippeskandal von 2009, durch den Pandemrix Impfstoff des Impfstoffherstellers GlaxoSmithKline (GSK), dazu bei?
Während vermutlich auch Sie und Ihre Kollegen damals bei der Schweinegrippe, einen Schweinegrippeimpfstoff vom US-Pharmakonzern Baxter, der keinen umstrittenen Wirkstoffverstärker enthält, impfen haben lassen, bekam die normale Bevölkerung den mit dem Wirkstoffverstärker. Denn um die Produktion zu beschleunigen, mischte GSK seinem Impfstoff einen Wirkverstärker bei. So konnten Unternehmen und Behörden weniger Wirkstoff auf mehr Menschen verteilen. GSK wirkt bei der aktuellen Impfstoffzubereitung ebenfalls dieses Mal gekonnt im Hintergrund mit.

Und nun nochmal auf den Sicherheitsaspekt einzugehen welchen Sie in diesem Post angesprochen haben. Ich kann Ihnen versichern dass von mir als Pflegeperson gewiss keine Gefahr aus geht, ich habe sämtliche Hygieneschulungen und bereits während meiner Ausbildung am Krankenhaus wurde mir vermittelt wie man sich und andere vor ansteckenden Krankheiten wie TBC, MRSA, ESBL schützt.
Ich sehe die große Gefahr von Ihnen und Ihren Kollegen ausgehend, denn Sie verbreiten Angst und Schrecken ohne vorher Vorkehrungen zu treffen, welche 1. umsetzbar sind, 2. individuelle Ausnahmeregelungen ebenfalls berücksichtigen – kämen Sie aus der Pflege wüssten Sie das, denn einem an Demenz Erkrankten können Sie nicht klar machen wieso er jetzt besser auf seinem Zimmer bleibt, wenn er das nicht gerade mit dem Zimmer von Frau Schmidt verwechselt – und 3. nachhaltig und dauerhaft helfen können Senioren zu schützen. Davon merkt man aber, nach einem dreiviertel Jahr Pandemie nichts.

Als Vorsitzender der Atlantik-Brücke, sollten Sie vielleicht nicht so viel twittern und aufhören unnötige absolut nicht systemrelevante Tätigkeiten nachgehen, sondern sich vielleicht mal über mögliche Hygienekonzepte in Senioreneinrichtungen Gedanken machen. Aber solange Sie als Politiker versagen, können Sie doch jetzt nicht von Ihrer Schuld ablenken und mit dem Finger ausgerechnet auf die Menschen deuten, die Sie bis vor kurzem noch als systemrelevant erachtet haben.

Und, um nochmal auf den Vorwurf einzugehen, wenn Sie Angehörige im Pflegeheim hätten, hätten Sie vielleicht eine Ahnung von dem, was u.a. Sie in Ihrer politischen Laufbahn in der Pflege und Gesundheitspolitik verbockt haben. Dementsprechend frech mir und meinen Kollegen gegenüber finde ich ihren Twitter Post.
Ausgerechnet Sie maßen sich an, wo Sie doch eigentlich einer Partei mit einem „S“ angehörig waren oder sind, mich zu ermahnen?
Sie maßen sich an noch weiter Öl ins Feuer zu gießen und mir als Krankenschwester, die weiß was Solidarität gegenüber alten Menschen heißt, sagen zu wollen, was meine Pflicht ist?

Sie leugnen mit solchen Tweets den Pflegenotstand und Beanspruchen, mit Ihrer Anspruchshaltung und den dadurch fehlenden und zum Ausdruck gebrachten Respekt, meine Nerven.

Gerne möchte ich zu dem Vorwurf nochmal etwas expliziter eingehen, denn offensichtlich haben Sie von dem Zusammenhang von Mindesstandards in der Personalbemessung in der Seniorenhilfe noch nichts gehört. Ich kann Ihnen da nur diese Studie ans Herz legen (https://www.verdi.de/…/Gutachten_gress_stegmueller.pdf). Dort wird der Zusammenhang von Qualifikation und Pflegequalität in den USA untersucht. Vielleicht sollten Sie sich mal genauer informieren, wir in der Altenpflege fordern seit Jahren, sich am Bedarf orientierte Stellenschlüssel umzusetzen, stattdessen sind diese willkürlich von Bundesland zu Bundesland individuell zusammen geflickt. Woran kann man das fest machen, das liegt wohl u.a. daran, dass jeder Pflegeschüler um eine gute Note in seinem Abschluss zu bekommen, mindestens eine Stunde Grundpflege pro Bewohner/Patient einplanen muss.
Vielleicht gehen Sie jetzt mal aus Ihrer fiktiven Welt und begeben sich mal in eine Pflegeeinrichtung und schauen Sie dann, was die Pflegekassen den Einrichtungen für Personalschlüssel ermöglichen!

Aber vielleicht lesen Sie zum Einstieg erst mal einen gängigen Artikel aus den Öffentlich Rechtlichen. Erstmals haben Wissenschaftler im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums (2020) errechnet, wie viel Personal nötig wäre, damit Pflegebedürftige in Altenheimen angemessen betreut werden können (https://www.tagesschau.de/altenpflege-gutachten-101.html).

Und noch etwas möchte ich gerne ansprechen, wir in der Pflege können nicht wie Sie auf dem Sofa sitzen und unnötige Konferenzen halten – wo Sie sich vermutlich tatsächlich einreden Sie wären systemrelevant – ich zitiere Sie: „#SocialDistancing ist in dem digitalen Format joinClubhouse gewahrt: Keineswegs aber ein Distancing von der politisch konstruktiven Debatte. Danke an herbstblond, KaiDiekmann, DoroBaer und vielen weiteren Teilnehmern für den heutigen Clubhouse Austausch zum InaugurationDay“.
Home Office ist in der Pflege nicht drin und das ist genau das Problem, Sie und Ihre Kollegen haben keine Ahnung von Pflege, wenn es Ihnen mit dem Virus zu eng wird, ziehen Sie sich zurück, das können ich und meine Kollegen aber nicht.
Mal davon abgesehen, dass es Sie bislang auch nicht interessiert hat, dass es zu wenig PSA (Persönliche Schutzausrüstung) gab, mit der man nachweislich bereits über Jahre Menschen vor Ansteckung schützen kann oder wie gedenken Sie handelt man bei offener TBC, MRSA, ESBL?
Ach ja es gab ja auch noch mal eine Schweinegrippe, eigentlich hätten Sie und Ihre Kollegen doch daraus lernen müssen, wo war denn letztes Jahr Ende März Ihre Kompetenz als Politiker? Ich habe Sie da damals gar nicht sprechen hören, ich habe Sie auch nicht in irgend einem Altenheim oder Krankenhaus gesehen!
Ich sage Ihnen mal was Ihre Pflicht als SPD Politiker gewesen wäre, denn Ihre Partei wurde von vielen Pflegepersonen gewählt.
Sie hätten sich während Ihrer Amtszeit vielleicht zunächst mal im Gesundheitswesen engagieren sollen, Ihre Ämter sprechen nicht für eine hohe Kompetenz im Pflegesektor; Bundesumweltminister (2005-2009), Bundeswirtschaftsminister (2013-2017) sowie Bundesaußenminister (2017-2018).
Ist Ihnen der Pflegenotstand (in der Seniorenhilfe fehlen: 100.000 Pflegepersonen (siehe Studie der Universität Bremen von Prof. Rothgang), im Krankenhaus fehlen: über 50.000 Pflegefachpersonen (erhoben durch das Pflegepersonbemessungsinstrument durch DPR, DKG und Verdi), neben der Privatisierungswelle von Senioreneinrichtungen und Krankenhäusern und die angestrebte Schließung (siehe Bertelsmann Stiftung) – welche ich nicht generell verteufeln möchte, welche sich aber maßgeblich gegen Tariflöhne ausspricht – welches in Zeiten einer Pandemie von nationaler Tragweite einfach nur noch paradox anwirkt, nicht aufgefallen?

Nicht erst seit gestern wird die Schließung von Krankenhäusern vorangetrieben, vor allem von sich ökonomisch nicht rentablen Krankenhäusern.
Mindestens 25 Krankenhäuser wurden meines Wissens 2020 während einer Pandemie von nationaler Tragweite geschlossen.
Wo war da Ihr Aufschrei Herr Gabriel?
Ich hab diesen nicht vernommen.

Mit freundlichen Grüßen
Krankenschwester XY


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